Sterne des Sports (14): Sportgemeinschaft Marßel Bremen

09.05.2012

In einer 18-teiligen Serie werden die Sieger des Wettbewerbs "Sterne des Sports" vorgestellt. Den 14. Platz belegte die Sportgemeinschaft Marßel mit Integration durch neuen Sport.

DOSB-Präsident Thomas Bach,Werner Müller von der Sportgemeinschaft Marßel, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Hartmut Schulz von der Volksbank Bremen-Nord und BVR-Präsident Uwe Fröhlich (v.l.) bei der Preisverleihung in Berlin. Foto: Sterne des Sports

In einem Wohngebiet, das durch relative Armut und hohen Migrationsanteil geprägt ist, will die Sportgemeinschaft Marßel Bremen e.V. Integration durch Sport und Kultur weiter entwickeln. Dabei geht es dem Verein darum, das Zusammenleben in Bremen Nord für alle attraktiver zu machen. In Marßel leben rund 6.500 Menschen. 56 Prozent von ihnen haben einen Migrationshintergrund, 48 Prozent sind allein erziehend. 

„Wir haben schon vor Jahren gemerkt, dass wir eigene Räumlichkeiten brauchen, um unsere Kurse unabhängig von Schulen anbieten zu können, mit denen wir uns sonst die Hallen teilen und die Zeiten absprechen mussten“, sagt Werner Müller, der Vereinsvorsitzende. 

Seit 2003 ist die Sportgemeinschaft Marßel Bremen Stützpunktverein des DOSB Programms „Integration durch Sport“. „Wir reden nicht mehr von Integration, wir leben sie. Die Menschen in unserem Einzugsgebiet haben so unterschiedliche Hintergründe und kommen aus den verschiedensten Kulturen. Wir schauen einfach, was brauchen sie und wie können wir mit Kooperationspartnern schnell Abhilfe schaffen. Alles von Grund auf anzupacken, das würde einfach zu lange dauern“, so die pragmatische Einschätzung des Vereinsvorsitzenden.  

Zielstrebig arbeitete der Verein daran, sich seinen Traum von einer eigenen Sport- und Begegnungsstätte zu erfüllen. Durch Eigeninitiative und mit großem nachhaltigem Engagement seiner Mitglieder ist es dem Verein über eine Zeit von acht Jahren gelungen, ein modernes Zentrum für Sport, Bewegung und Kommunikation (Schulung, Bildung, Kultur) für die Menschen aus Marßel aufzubauen. Die Baukosten von rund 2,5 Millionen Euro wurden mit rund einer Million von der EU gefördert, den Rest finanzierte der Verein mit Hilfe von Einzelspenden. Am 30.04. 2011 konnte die SG Marßel Eröffnung feiern. 

Ein Netzwerk für Sport, Gesundheit und Kultur 

Entstanden sind eine Begegnungsstätte, die sich durch zwei Trennwände in drei Räume unterteilen lässt und eine Bewegungshalle mit Spiegelwand, die ebenfalls geteilt werden kann. In einem reinen Wohngebiet bietet der SportPark Marßel seitdem völlig neue Möglichkeiten. Für sein nachhaltiges Engagement wurde der Verein mit dem Landessieg der “Sterne des Sports” 2011 in Bremen belohnt. Die Bewerbung hatte die Volksbank Bremen Nord eG angenommen. 

„Wir können jetzt auch vormittags Kurse abhalten. In Kooperation mit der Volkshochschule laufen bei uns momentan viele Integrationskurse, in denen Zuwanderer Deutsch lernen. Wir haben Sport für Kleinkinder im Programm und können gleichzeitig den Müttern Bewegungsangebote machen. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Bereich Gesundheits- und Präventionssport, wo wir mit einem Ärztezentrum zusammenarbeiten. Hier fühlen sich gerade die Senioren angesprochen. Außerdem ist Adipositas ein Thema, deshalb bieten wir gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Kurse unter dem Motto ‚Big Kids’ an. Und es hat sich auch schon eine Frauengruppe gebildet, die in unseren Räumen über Literatur spricht“, beschreibt Werner Müller die nahezu unbegrenzten Möglichkeiten, die zum Glück auch von der Vereinssatzung mitgetragen werden.  

Auch mit Kitas und Schulen ist der Verein vernetzt und versucht auf Vorschläge, die an ihn herangetragen werden, flexibel zu reagieren – nicht immer ohne Hintergedanken, wie Müller zugibt: „Wir hatten neulich eine Mädchengruppe von einer Schule da, die ganz begeistert von unserer Spiegelwand war. Jetzt tanzen die Mädchen regelmäßig im Rahmen einer Schul-AG in unseren Räumen. Natürlich versuchen wir, sie für unseren Verein zu gewinnen und sie an uns zu binden, weil wir auch eigene Tanzkurse anbieten.“

(Quelle: DOSB/wirkhaus)