Bundessieger und Gewinner des „Großen Stern des Sports“ in Gold 2006

Basketballverein Weddinger Wiesel (eingereicht bei der Berliner Volksbank eG)

Weddinger Wiesel eröffnen Jugendclub in einem der sozialen Brennpunkte Berlins

Früher ist das Ladenlokal in Wedding eine der typischen verrauchten Berliner Eckkneipen gewesen. Im April 2006 wurde hier auf Initiative des Basketballvereins Weddinger Wiesel der Sport-Jugendclub „Time-out“ eröffnet. Die Weddinger Wiesel gibt es erst seit 1998, dennoch machte der Verein schon vielfach auf beeindruckende Weise auf sich aufmerksam.

Insgesamt 14 Basketballteams der Wiesel beteiligen sich am Spielbetrieb in Berlin, davon zwölf im Jugendbereich. So sind auch dreiviertel der ca. 320 Mitglieder unter 18 Jahren. Neben dem Wettkampfsport haben die Weddinger Wiesel viele Angebote für Breitensportler im Programm und das fängt schon im Kindesalter an. Die jüngsten Korbjäger sind gerade mal fünf Jahre alt, sie spielen in der so genannten Pampers-Gruppe. Zweidrittel der Mitglieder sind ausländischer Herkunft, sie kommen aus 15 verschiedenen Ländern. „Die unterschiedlichen Nationalitäten sind für uns kein Thema, uns verbindet das Basketballspielen“, darauf legt Karin Radtke, Sportreferentin des Vereins, Wert.

Die Kultur des Mithelfens

Eines der Erfolgsgeheimnisse des Clubs ist die Kultur des Mithelfens, so Radtke. Dabei geht der Verein äußerst systematisch vor. Bereits ab zwölf Jahren übernehmen Kinder zum Beispiel schon kleine Aufgaben als Kampfrichter im Spielbetrieb. Ab 14 Jahren können sie als Co-Trainer, ab 15 Jahren als Schiedsrichter Verantwortung übernehmen.

Mit der gelebten „Kultur des Mithelfens“ konnte auch der Wunsch nach einem eigenen Treffpunkt in die Tat umgesetzt werden. Schon lange äußerten vor allem die jugendlichen Wiesel den Wunsch, sich auch außerhalb des Trainings in einer eigenen Anlage zu treffen. Ein eigenes Vereinsheim hatten die Wiesel nicht. Alle waren sich einig, dass eine zentrale Anlaufstelle die Präsenz der Wiesel und damit der Sportart Basketball im Wedding erhöhen würde und somit auch die Eltern stärker in die Jugendarbeit des Vereins einbezogen werden könnten.

Ein Anlaufstelle für alle Jugendlichen im Kiez

Zugute kam den Initiatoren vor einem Jahr, dass das Brunnenviertel im Wedding zu einem „Gebiet mit besonderem Entwicklungsbedarf“ erklärt wurde und damit EU-Fördermittel aus dem Programm „Soziale Stadt“ in Anspruch genommen werden konnten. Angebote für Jugendliche sind im Brunnenviertel schon lange Mangelware.

Um diese Fördermittel zu erhalten, mussten zunächst bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden: der Betrieb eines selbst verwalteten Jugendcafés, eine Informationsplattform für sportinteressierte Jugendliche und offene Sportangebote. Außerdem wurde bei der Renovierung Eigenleistung verlangt. Kein Problem für die Mitarbeit gewohnten Wiesel, welche die ehemalige Eckkneipe in wenigen Monaten in einen attraktiven Jugendclub verwandelten.

Mit den Fördergeldern, die es für 14 Monate gibt, wird auch eine Sozialarbeiterstelle für 20 Stunden pro Woche finanziert. Statt einen externen Sozialarbeiter einzustellen, decken die Wiesel-Coaches die Betreuung des Jugendclubs selbst ab. Neben vier wöchentlichen Öffnungstagen gibt es in den Sommerferien zudem ein Feriensportprogramm mit Unterstützung des Programms „Integration durch Sport“. Zu den Zielen des Jugendclubs zählt, in Zukunft beispielsweise eine Hausaufgabenbetreuung anzubieten und damit die Vereinbarkeit von Sport und Schule weiter zu erhöhen.

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