Standing Ovations für Inklusion

„Bühne für Helden“ schafft Auftrittsmöglichkeiten für Menschen mit und ohne Handicap.

Der Traumzirkus Marsberg begeisterte bei der Special Olympics  Bremen Sportgala 2012 das Publikum. (Foto: Jan Rathke)
Der Traumzirkus Marsberg begeisterte bei der Special Olympics Bremen Sportgala 2012 das Publikum. (Foto: Jan Rathke)

Jeder Artist, jeder Künstler träumt davon: einmal vor großem Publikum auf einer riesigen Bühne zeigen, was man kann. Der Moment, wenn der Scheinwerfer angeht und alles andere vergessen ist – dieses Glücksgefühl beschert Special Olympics Bremen e.V. mit seinem Angebot „Bühne für Helden“ Frauen und Männern mit Handicap. Dabei ist es Christine Nienaber, die die Initiative bei Special Olympics in Bremen als Projektleiterin betreut, besonders wichtig, dass das ganze dem Inklusionsgedanken verpflichtet ist. Es gibt eben nicht behinderte und nicht-behinderte Gruppen, die nacheinander auftreten, sondern es stehen gemischte Gruppen gemeinsam auf der Bühne.

Eine Idee mit Zukunft

„Ideengeber für unser Angebot war Hans-Jürgen Schulke. Er setzte sich bei der Programmplanung für die Nationalen Spiele von Special Olympics 2010 in Bremen dafür ein, dass Menschen mit Handicap bei der Eröffnung auftraten.“ Die Veranstaltung stand damals unter dem Motto „Bewegungskünstler“ und begeisterte die Zuschauer. Der Erfolg zeigte, dass dieses Angebot in Bremen ankam und Potenzial für ähnliche Shows vorhanden war.

Im Sommer 2011 startete Special Olympics in Bremen mit „Bühne für Helden“, seitdem gab es zwei große abendfüllende Programme. Ein weiteres Event für Mai 2013 ist in Planung.

Große Bühne für Showtalente mit und ohne Handicap

Christine Nienaber und ihre Kollegen übernehmen dafür die Auswahl bzw. das Buchen der Künstlerinnen und Künstler sowie die gesamte Organisation inklusive Technik, Bühnenregie und Werbung. In der Vorbereitungsphase, wenn es noch um die Suche nach geeigneten Gruppen und Künstlern geht, setzen sie vor allem auf ihre Kontakte vor Ort, recherchieren aber auch schon mal im Internet.

Am Veranstaltungstag selbst läuft dann alles so ab, wie bei anderen großen Shows. Die Künstlerinnen und Künstler reisen entweder am Tag vorher oder morgens an, dann wird gemeinsam geprobt und am Abend bildet der Auftritt auf der Bühne das absolute Highlight. „Natürlich gibt es Backstage auch ein Catering, schließlich ist es für alle Beteiligten ein langer Tag“, fasst Christine Nienaber zusammen.

Aber ohne Spontaneität und Improvisation geht es nicht. Manchmal ist die Generalprobe nämlich der erste gemeinsame Auftritt von Gruppen oder Künstlern mit und ohne Handicap. „Bisher hat aber immer alles reibungslos geklappt“, erzählt Christine Nienaber und lacht. „Einmal hatten wir zum Beispiel einen Schauspieler mit Handicap dabei, der zusammen mit zwei Clowns auftreten sollte. Sie haben sich am Morgen kennen gelernt, sich gemeinsam ihre Nummer ausgedacht und geprobt. Bei der Vorstellung lief alles glatt, auch weil alle so gut aufeinander eingegangen sind.“

Das Publikum spendete jedes Mal langen lauten Applaus: Im Oktober 2011 kamen zum Eröffnungsabend der Regionalen Spiele der Special Olympics rund 2.400 Zuschauer. Im April dieses Jahres waren es bei der Veranstaltung „Wo Helden nach den Sternen greifen“ 800 Zuschauer, die gespannt verfolgten, was die 150 Künstlerinnen und Künstler der 15 beteiligten Gruppen auf die Bühne brachten. Für Publikum, Betreuer und Künstler war jedes Event ein tolles Erlebnis, gerade weil Showtalente mit Handicap selten Gelegenheit haben, auf einer so großen Bühne mit Lightshow und allen anderen technischen Raffinessen gemeinsam mit anderen Künstlern aufzutreten. Bundesweit gibt es bisher nichts Vergleichbares, heißt es in der Bewerbung von Special Olympics in Bremen.

Über Workshops das Angebot ausbauen


Doch „Bühne für Helden“ hat noch ein zweites Anliegen. Die Initiative veranstaltet Workshops, um Übungsleiter, Lehrer, Erzieher und andere Multiplikatoren für Inklusionsangebote zu sensibilisieren. Dabei stehen künstlerische Sportarten wie Artistik, Jonglage, Tanzen und Trampolin im Mittelpunkt, das Angebot soll aber auf andere Sportarten ausgedehnt werden. Bei einer für Februar geplanten Fachtagung will Special Olympics Bremen auch gezielt  Sportvereine und ihre Vorstände erreichen. „Wir wollen ‚Bühne für Helden’ möglichst breit anlegen und erreichen, dass sich die Vereine für Inklusionsangebote öffnen“, formuliert Christine Walden das Ziel.

Vorfreude auf das Finale

Die Auszeichnung mit dem „Großen Stern des Sports“ in Silber 2012 für Bremen hat aus ihrer Sicht sehr viel dazu beigetragen, dass „Bühne für Helden“ von einer noch breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen wird als zuvor. Außerdem fühlt das Team von Special Olympics in Bremen sich durch den Preis in der eigenen Arbeit bestätigt. „Das ist ganz große Klasse. Man bekommt so das Gefühl, dass das, was man tut, gut und richtig ist“, sagt Christine Nienaber. Die Finanzierung von „Bühne für Helden“ ist noch bis Mai 2013 gesichert. Für die Zeit danach gibt es schon viele Ideen und Pläne, aber noch keine feste finanzielle Basis.

Zum Bundesfinale der „Sterne des Sports“ in Gold 2012 am 29.Januar in Berlin fährt Special Olympics Bremen selbstbewusst, aber nicht ohne flaues Gefühl im Magen verrät Christine Nienaber: „Natürlich ist es etwas Besonderes, wenn man dem Bundespräsidenten die Hand schütteln darf. Aber auch wenn ich die Konkurrenz nicht kenne, denke ich, dass wir mit einem tollen Konzept an den Start gehen.“

(Quelle: wirkhaus)



  • Der Traumzirkus Marsberg begeisterte bei der Special Olympics  Bremen Sportgala 2012 das Publikum. (Foto: Jan Rathke)
    Der Traumzirkus Marsberg begeisterte bei der Special Olympics Bremen Sportgala 2012 das Publikum. (Foto: Jan Rathke)
  • Bei "Bühne für Helden" treten Künstler mit und ohne Handicap gemeinsam auf. Hier die tanzbar Bremen mit Vertikaltuchartistin Dominika Vetter bei der Sportgala im April 2012. (Foto: Jan Rathke)
    Bild 1497 800

Diese Webseite nutzt Cookies

Wir verwenden auf unserer Webseite Cookies, um Inhalte zu personalisieren, die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren und somit unser Angebot zu verbessern. Wir erheben dabei nur pseudonyme Daten, eine Identifikation erfolgt nicht. Ferner geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Webseite an unsere Partner für Werbung und Analyse weiter.