2017: „Die GäMSen“

„Vom Rollstuhl an die Kletterwand“

Eingereicht bei der Volksbank im Bergischen Land eG

Mit dem Engagement „Trotz Rollstuhl an die Kletterwand“ zeigt die Sektion Wuppertal des Deutschen Alpenvereins (DAV), was mit körperlicher Beeinträchtigung möglich ist. Kern des Engagements ist die inklusive Handicap - Gruppe „Die GäMSen“, die 2013 gegründet wurde. Durch sie erfahren viele Menschen mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen ein Gemeinschaftsgefühl, das ihnen im alltäglichen Leben oft verwehrt bleibt. Die ehrenamtlich tätigen Helferinnen und Helfern der „GäMSen“ durchbrechen diese Isolation und helfen einer Vereinsamung entgegenzutreten. Ursprünglich als Klettergruppe für MS - Erkrankte ins Leben gerufen, werden inzwischen auch Menschen mit anderen Handicaps aufgenommen.

„Es ist alles sehr familiär, wir sind inzwischen zwar auf 54 Mitglieder gewachsen, aber  dennoch kennt jeder jeden und jeder kann jeden anrufen“, sagt Peter Weigel, der 2012 die Wuppertaler Sektion des Alpenvereins auf diesen Bedarf aufmerksam gemacht hatte. Gemeinsam mit seiner an MS erkrankten Frau wollte er klettern und somit auch den Weg in eine neue Gemeinschaft finden. Das war ungewöhnlich und für die DAV - Sektion Wuppertal die Initialzündung, sich einmal genauer mit dem Thema Behinderung und Sport zu beschäftigen. Alle 14 Tage trifft man sich seitdem zum gemeinsamen Klettern. Mit großem  Erfolg konnten Freunde und Familienmitglieder als ehrenamtliche Helfer dazugewonnen werden. Einmal im Jahr geht es dann mit großer Gruppe in die echten Berge, dieses Jahr ist Österreich das Ziel.

Auch die Vernetzung zu anderen Klettergruppen für Menschen mit Behinderungen wird gepflegt. Ein neues Forum wurde erstellt, das die bundesweite Verbindung der Interessensgruppen und Ehrenamtlichen online möglich macht. Dort werden auch Teilnehmer/innen aufgenommen, die in den nächsten Jahren den Ausbildungsschein „Trainer C für Menschen mit Behinderung“ absolvieren wollen. Die Hauptgeschäftsstelle des Deutschen Alpenvereins in München hat zudem einen offiziellen Sicherungsschein für Menschen mit Behinderung eingeführt. Seitdem bilden „Die GäMSen" ihre Mitglieder im Sichern aus, so dass nun auch Nicht - Behinderte von behinderten Lizenzinhaber/innen gesichert werden können.

2016: Eintracht Hildesheim

„Eintracht bewegt: Zukunfts-Kompass Sportverein und Ganztagsschule“

Eingereicht bei der Volksbank Hildesheimer Börde eG

Bewegung und Sport als Ausgleich zum vielen Sitzen in der Schule, dafür engagiert sich Eintracht Hildesheim. Seit fünf Jahren bietet der Verein für Grundschülerinnen und Grundschüler Sport-AGs in Ganztagsschulen an. In einigen Fällen geht das Engagement sogar weit darüber hinaus. Der Verein organisiert Lauftreffs vor Unterrichtsbeginn, hilft bei der Ausgabe des Mittagessens und der Hausaufgabenbetreuung und ist am Nachmittag für die AGs verantwortlich. Neben Sport können die Kinder hier auch aus vielen anderen Angeboten wählen, darunter Basteln, Nähen und eine Fahrradwerkstatt.

„Hauptaugenmerk ist, Kinder möglichst früh für Bewegung zu begeistern“, sagt Clemens Löcke, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer von Eintracht Hildesheim. „Wir Sportvereine haben die Kernkompetenz für Sport und Bewegung. Das kann keiner so gut wie wir.“ Neben Fußball oder Volleyball können die Mädchen und Jungen in den Sport-AGs auch Trendsportarten wie Tricking, Cheerleading und Parkour ausprobieren. Eine Schwimmschule ergänzt das Angebot. „Der offene Ganztag ist für uns die Chance, früh mit Kindern in Kontakt zu kommen und sie neugierig auf den Sportverein zu machen“, fasst Clemens Löcke zusammen. „Viele neue Kinder finden den Weg in den Verein, weil sie die Trainer/innen und Übungsleiter/innen schon von den Sport-AGs in der Schule oder von den Feriencamps kennen.“

Ein weiterer Aspekt für den Erfolg der Ganztagsangebote ist aus Sicht des Vereins die Mischung innerhalb des Teams mit mehr als 40 Betreuerinnen und Betreuern. „Bei allen Sport-AGs arbeiten junge, dynamische Leute mit älteren, erfahrenen Übungsleitern, Sportlehrern oder Pädagogen zusammen.“ Mittlerweile bewegt der Verein mit 130 Angeboten an zehn Schulen mehr als 1.300 Kinder in der Woche und ist damit für rund die Hälfte des Ganztagsprogramms an Hildesheimer Grundschulen verantwortlich. Im nächsten Schuljahr sollen zwei weitere dazu kommen. „Unser Engagement an den Ganztagsschulen ist eine Win-Win-Situation“, sagt Clemens Löcke, „für die Schule, für uns als Verein, aber vor allem auch für die Kinder und ihre Eltern.“

2015: VfL Bad Wildungen

„Kennen- und verstehen lernen - Flüchtlinge willkommen im Sportverein“

Eingereicht bei der Waldecker Bank eG

Syrien, Eritrea, Somalia, Afghanistan, Serbien und Kosovo – gar nicht weit weg von Bad Wildungen. Denn von hier und anderswo kommen die Flüchtlinge, die in der hessischen Stadt ein neues Zuhause suchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Asylanträge positiv entschieden werden, ist in den meisten Fällen hoch. Ihr Wunsch auf ein selbstständiges Leben auf Dauer in Bad Wildungen ist groß. Doch solange die Behörden ihre Anträge bearbeiten, leben die meisten Flüchtlinge in Sammelunterkünften, wo sie keine Privatsphäre und keine Beschäftigung haben. Hier setzt die Initiative des VfL Bad Wildungen an.

Seit 2014 haben Flüchtlinge die Chance, die Sportangebote des Vereins kostenlos zu nutzen. Der Sport gibt ihnen die Möglichkeit, Stress abzubauen, sich durch Bewegung abzulenken und dabei Spaß zu haben. Nahezu 30 Kinder, Jugendliche und ganze Nichtschwimmer-Familien haben mittlerweile durch den Verein schwimmen gelernt. Beim Fitnesskurs, beim Boxen und beim Fußball trainieren die Neuankömmlinge mittlerweile regelmäßig mit. Die Gymnastikgruppe hat es geschafft, zehn Flüchtlingsfrauen so nachhaltig zum Mitmachen zu motivieren, dass diese sogar ihre Kinder mitbringen. Durch die Kontakte zu den anderen Vereinsmitgliedern lernen sich alle gegenseitig besser kennen und tauschen sich aus. Die deutsche Sprache lernen sie beim Sport ganz ungezwungen und fast nebenbei. Beim VfL Bad Wildungen sind die Flüchtlinge längst angekommen und gehören dazu.

Der Sportverein hat es geschafft, einen Grundstein für ein Zusammenleben zu legen, der langfristig tragbar ist. Auch auf neue Flüchtlinge will der Verein aktiv zugehen und sie in Bad Wildungen willkommen heißen.

2014: Team Bananenflanke

„Bananenflanken-Liga“

Eingereicht bei der Volksbank Regensburg eG

Sich fühlen wie echte Fußballstars – dieser Traum kann für lern- und geistig behinderte Kinder und Jugendliche mit der Bananenflanken-Liga (kurz BFL) wahr werden. Die Glücksformel der BFL lautet: besondere Erlebnisse plus außergewöhnliche Emotionen ergeben ein positives Selbstwertgefühl. Über den eigenen Ligabetrieb können die Kicker Selbstvertrauen sammeln und sich in echten Wettkämpfen miteinander messen. Dabei schlagen die Emotionen hohe Wellen und reißen das Publikum mit.

Die Idee zur Bananenflanken-Liga hatten Stefan Plötz und Ben Rückerl. Die beiden Heilerziehungspfleger haben 2011 nach einem Fußballprojekt an der Behindertenschule, für die sie arbeiten, den Verein „Team Bananenflanke“ gegründet – ein Fußballverein speziell für Kinder und Jugendliche mit Behinderung. „Wir wollten mit der Gründung der Bananenflanken-Liga aus dem Team Bananenflanke heraus Kindern, die es nicht so leicht haben im Leben, die Möglichkeit geben, die positiven Effekte des Fußballs zu erleben“, so Stefan Plötz. Anders als bei anderen Mannschaften kommt es beim Team Bananenflanke darauf an, dass der Entwicklungsstand der Spieler vergleichbar ist, das Alter ist Nebensache. 

Den Namen Bananenflanke haben die Vereinsgründer in Erinnerung an den früheren HSV-Profi und Fußballnationalspieler Manfred Kaltz gewählt, der in den 80er Jahren den Ball so krumm wie eine Banane in den Strafraum des Gegners schlug. „Im Leben unserer Jugendlichen läuft auch nicht alles ‚gerade‘", betont Stefan Plötz, deshalb hat der Verein auch eine Banane als Maskottchen. Beim Fußball trainieren die Bananenflanken-Spieler nicht nur ihre motorischen Fähigkeiten, sondern auch soziale Kompetenzen.

Die erste Saison der Bananenflanken-Liga ging 2014 über die Bühne. Nach insgesamt drei Spieltagen wurde der erste BFL-Meister gekürt. Viele Spieler, die bei der BFL antreten, sind vorher bei dem Versuch gescheitert, sich in reguläre Vereine einzugliedern. 40 Fußballer zwischen 12 und 21 Jahren haben 2014 in der ersten Saison der BFL mitgespielt. Alle sind Mitglieder beim Team Bananenflanke, das für die BFL vier Teams mit je zehn Spielern gebildet hat. Für die nächste Saison gibt es schon jetzt 20 bis 30 neue Interessenten. Alle Trainer und Teampaten der Mannschaften kamen vom Drittligisten SSV Jahn Regensburg, mit dem das Team Bananenflanke eng zusammenarbeitet. Dazu kommt eine behindertengerechte pädagogische Betreuung durch die beiden Vereinsgründer, die auch beim SSV Jahn als Behindertenbeauftragte tätig sind. Durch Kontakte zu weiteren Profivereinen soll die BFL ausgebaut und auch auf andere Städte ausgedehnt werden. Im Gespräch ist das Team Bananenflanke aktuell mit 1860 München, dem FC Ingolstadt und dem 1.FC Nürnberg.

Alle Punktspiele der Liga wurden in der vergangenen Saison auf einem mobilen Soccer-Court auf öffentlichen Plätzen in Regensburg und Umgebung ausgetragen. Im Schnitt kamen 300 Zuschauer und auch in den Medien war das Echo groß.

2013: tsv schott mainz

„Kindersport-Akademie als Basis einer ganzheitlichen Jugendförderung“

Eingereicht bei der Mainzer Volksbank eG

Mit dem wissenschaftlich fundierten Bewegungsprogramm für Kinder zwischen drei und acht Jahren schließt der Verein eine Angebotslücke. Seit 2010 will die Kindersport-Akademie (KiSA) den Kleinen vor allem eins vermitteln – den Spaß an sportlicher Aktivität ohne Leistungsdruck. So soll eine Begeisterung entstehen, die Sport ganz selbstverständlich als Baustein des täglichen Lebens versteht. Wichtig ist dem Verein aber auch, dass das KiSA-Bewegungsprogramm eine hohe Qualität hat. Deshalb gab es von Anfang an eine enge Kooperation mit Sportwissenschaftlern der Universität Mainz.

Wenn die Kinder im Kleinkindalter in der Kindersport-Akademie anfangen, erhalten sie zuerst eine motorische Grundausbildung, bei der die Schulung koordinativer Fähigkeiten im Vordergrund steht – Fähigkeiten, die sowohl im Alltag der Kinder als auch im Sport von großer Bedeutung sind. Bis zum Alter von sechs Jahren lernen sie die Grundlagen von verschiedenen Sportarten wie Fußball, Handball, Hockey, Tennis, Leichtathletik und Turnen kennen. Ab sieben Jahren nehmen die Kinder dann an einem Rotationsprinzip teil, bei dem sie die verschiedenen Sportarten vertiefen.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist sicher auch der gute Trainerschlüssel. Ein ausgebildeter Sportwissenschaftler und ein lizenzierter Helfer, der meistens ein Freiwilliges Soziales Jahr beim TSV SCHOTT Mainz macht, betreuen gemeinsam 15 Kinder.

Zu Beginn und zum Ende jedes Kursjahres in der KiSA werten Sportmediziner in Kooperation mit den Trainern die Entwicklung der Kinder aus. Die Ergebnisse werden dann den Eltern präsentiert. So kann die Kindersport-Akademie nicht nur Sporttalente entdecken und fördern, sondern auch individuelle Tipps geben, welche Sportart für jedes Kind besonders geeignet ist.

Das Angebot der KiSA wird außerdem ständig weiterentwickelt und ausgebaut. Zum Beispiel gibt es Fördergruppen für besonders begabte Nachwuchssportler oder Ferienangebote. Um die Nachhaltigkeit der Kindersport-Akademie zu sichern, bemüht sich der TSV SCHOTT Mainz darum, mit Kindergärten und Kindertagesstätten zusammenzuarbeiten und die Erzieher und Erzieherinnen sportlich weiterzubilden.

Seit 2012 nimmt die Kindersport-Akademie des TSV SCHOTT Mainz auch Kinder mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung auf. Der Verein versucht, bei Inklusion so früh wie möglich anzusetzen. Allerdings erfordert das auf Seiten der Trainer spezielle Kenntnisse und Zusatzqualifikationen, die nicht für jeden Breitensportverein ohne weiteres zu leisten sind. Hier sollen über die Kindersport-Akademie Netzwerke gebildet werden, die dabei helfen, dass ein Leitfaden für Inklusion im Breitensportverein entsteht.

2012: SV Eintracht Hannover

„Aktiv aus dem Stimmungstief“

Eingereicht bei der Hannoversche Volksbank eG

Mit „Aktiv aus dem Stimmungstief“ hat der SV Eintracht von 1898 Hannover e.V. (heute: VfL Eintracht Hannover) ein Kursprogramm für Menschen mit Depressionen entwickelt.

Depressionen sind eine Volkskrankheit. Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Depression, die behandelt werden muss. Dass Bewegung ihnen helfen kann, ist zwar allgemeiner Konsens, aber wissenschaftliche Beweise dafür gibt es kaum. Das soll sich durch die Ergebnisse des Programms „Aktiv aus dem Stimmungstief“ ändern.

Die Idee kam von Prof. Dr. Marc Ziegenbein von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Er war auf der Suche nach einem zukunftsgerichteten Angebot mit positivem Effekt für seine Patientinnen und Patienten, weil er mehr für sie tun wollte, als sie nur für die Dauer ihres Klinikaufenthalts zu behandeln. Der Niedersächsische Leichtathletik-Verband vermittelte dem engagierten Arzt den Kontakt zum SV Eintracht von 1898 e.V. Hannover. Nach dem ersten Kennenlernen folgten mehrere Treffen, bei denen auch die Sportwissenschaftler der Universität Würzburg und der Philipps-Universität Marburg dabei waren. Im Juni 2011 hat die konkrete Planung angefangen, etwa ein Jahr später ging der erste Kurs mit 50 Teilnehmern bei Eintracht Hannover an den Start.

Neben der aktiven Bewegung sollte der Kurs auch die positiven Effekte des Vereinslebens vermitteln – das Gemeinschaftsgefühl und den Zusammenhalt. „Viele, die unter Depressionen leiden, kapseln sich ab, ziehen sich zurück und verhalten sich passiv – so hat es uns Professor Ziegenbein erklärt“, fasst der Vereinsvorsitzende Rolf Jägersberg zusammen. Durch das gemeinsam entwickelte Angebot „Aktiv aus dem Stimmungstief“ möchte man den Betroffenen helfen, dieses Verhaltensmuster zu durchbrechen.

Voraussetzung für die Teilnahme am Lauftraining war ein medizinischer Eignungstest. Die 50 Patientinnen und Patienten wurden in drei Gruppen aufgeteilt, die je ein Trainer und ein Assistenzarzt der MHH unter der Regie des Leichtathletik-Abteilungsleiters beim SV Eintracht Hannover Thomas Behling gemeinsam betreuten. Das Pensum passte das Team dabei flexibel an die Leistungsfähigkeit des Kurses an. Es umfasste Lauf- bzw. Walking-Einheiten von 15 bis 30 Minuten, die dann auf eine Stunde und länger gesteigert wurden.

Ende Oktober 2012 ging der zweite Kurs zu Ende, jetzt läuft die Auswertung. Rolf Jägersberg ist überzeugt, dass bis zum Frühjahr Evaluationsergebnisse und Trainingsprogramme vorliegen, von denen auch andere Sportvereine profitieren können. Ziel ist, dass Krankenkassen langfristig die Kosten für solche Sportangebote übernehmen.

Das Pilotprogramm in Hannover wurde von der Robert-Enke-Stiftung mit rund 12.000 Euro gefördert.

2011: Märkische Turngemeinde Horst

„United Sports“

Eingereicht bei der GENO BANK ESSEN eG

Essens größter Sportverein hat seine Angebote für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Abteilung „United Sports“ gebündelt. „Sie kennen bestimmt das Sprichwort: ‚Tue Gutes und rede darüber'. Genau das haben wir mit unserer Abteilung ‚United Sports' gemacht. Jeder Fußball- oder Handballverein leistet einen Beitrag zur Integration. Denn hier sind die Regeln international. Man kann gleich mitmachen, ohne die Sprache zu sprechen. Der Unterschied ist nur, dass wir darüber reden - und die anderen oft nicht“, umreißt Gerhard Kämpkes die Gründe für die Bewerbung bei den „Sternen des Sports“ 2011.

Der erste Vorsitzende der Märkischen Turngemeinde 1881 e.V. Essen-Horst ist stolz auf die Initiative seiner jungen Abteilungsvorstände. Die Idee für „United Sports" kam nämlich nicht etwa von der Vereinsleitung, sondern von Sportlern mit Migrationshintergrund, die selbst über das Training bei der MTG Horst den Sport für sich entdeckt haben. „Sebastian Tlatlik, ein erfolgreicher Boxer unseres Vereins mit polnischen Eltern, hat mich angesprochen. Er und seine Freunde wollten die positiven Erfahrungen, die sie durch den Sport gemacht haben, an andere Kinder und Jugendliche aus Einwandererfamilien weitergeben. Deshalb haben sie angeregt, eine eigene Abteilung zu gründen und sie selbst ehrenamtlich zu leiten.“

Seit mittlerweile drei Jahren existiert die Abteilung „United Sports“, die zum Aushängeschild des Vereins geworden ist. Bis auf einen haben alle sieben Abteilungsvorstände ausländische Wurzeln, d.h. sie können die Situation ihrer Schützlinge bis ins Detail nachvollziehen und verstehen. Gleichzeitig sind die Trainer und Abteilungsvorstände, die zum großen Teil studieren, selbst wichtige Vorbilder für eine gelungene Integration. Das findet auch in der Öffentlichkeit große Anerkennung: „Im März 2011 sind unsere Abteilungsvorstände im Rahmen von ‚Essens Beste' ausgezeichnet worden. Das ist ein Wettbewerb, der ehrenamtliches Engagement in allen Bereichen ehrt. Unser junges Team bekam den Preis, weil sie sich als Migranten für die Vereinsarbeit einsetzen“, erzählt Gerhard Kämpkes.

Inhaltlich liegt der Schwerpunkt bei „United Sports“ auf Kampfsport. Im Angebot sind unter anderem Boxen, Taekwondo und Selbstverteidigung. Im Ring oder auf der Matte stehen sich Nachwuchssportler aus Afghanistan und der Türkei, aus Marokko und Deutschland oder aus dem Libanon und Vietnam gegenüber. Alle sprechen Deutsch miteinander.

Als Boxtrainer hat Sebastian Tlatlik seine ganz eigene Methode, um Spannungen zu entschärfen und schlechte Stimmung zu vertreiben. „Wenn mal einer mies drauf ist, dann stellt er ihn eine Viertelstunde an die ‚Maisbirne' - einen Sack, der mit Mais gefüllt ist. Jeder, der 15 Minuten mit den Boxhandschuhen darauf eingedroschen hat, ist danach so müde, dass er alles andere vergisst“, erklärt der erste Vorsitzende.

Ein wichtiger Faktor für die erfolgreiche Arbeit der Integrationssportabteilung ist der niedrige Monatsbeitrag. Er liegt bei ‚United Sports' bei nur 3,50 Euro. Und das hat seinen Grund: Zum Einzugsgebiet des Vereins gehören auch die beiden Hochhaussiedlungen Hörsterfeld und Bergmannsfeld, die als soziale Brennpunkte gelten. Über 50 % der Kinder und Jugendlichen haben hier einen Migrationshintergrund und leben fast ausschließlich von Sozialhilfe. Neben dem wöchentlichen Sportangebot bietet „United Sports“ deshalb auch verschiedene Freizeitaktivitäten an. Gemeinsam werden Besuche in Spaßbädern, Freizeitparks oder Wochenendfahrten geplant und organisiert.

2010: Karate-Team Reutlingen

„Drachenstark“

Eingereicht bei der Volksbank Reutlingen eG

Mit seinem Modulsystem „Drachenstark“ fördert der Siegerverein aus Württemberg gleichzeitig den Spaß am Lesen und am Sport. Das Karate-Team Reutlingen e.V. schafft den Spagat zwischen Sport und Lesen und begeistert mit seiner Maßnahme „Drachenstark“ nicht nur die Kinder vor Ort, sondern auch die Bundesjury der „Sterne des Sports“. Mit seinem innovativen Konzept will der Verein aus Württemberg Kinder für Bewegung begeistern, sie zum Lesen motivieren sowie ihre Kreativität und Teamfähigkeit fördern. Dieser Ansatz überzeugte die Preisrichter, die das Karate-Team Reutlingen zum Bundessieger 2010 kürten. Der „Große Stern des Sports“ in Gold ist mit einem Geldpreis von 10.000 € verbunden.

Der Verein hat mit „Drachenstark“ seit 2008 ein Modulsystem entwickelt, bei dem Motorik, Lesekompetenz, Prävention/Selbstbehauptung und Kreativität angesprochen werden. Im Umgang miteinander lernen die Kinder, wie sie Konflikte erkennen und lösen können. Eine Schlüsselfunktion übernimmt das Maskottchen: Der Drache ist immer und überall dabei. Jedes Kind hat seinen eigenen Drachenordner, der die persönliche Entwicklung dokumentiert. Hier sammeln sie beispielsweise die Ergebnisse ihrer absolvierten Drachenprüfungen, eigene Drachengeschichten oder Bilder.

Im Mittelpunkt steht das Zusammenspiel von Bewegung und Intelligenz bzw. geistiger Entwicklung. Dabei ist das Wichtigste aber nicht die Theorie, sondern die Praxis.

„Drachenstark“ ist aus der Praxis für die Praxis entwickelt worden. Die Idee dazu hatte eine Trainerin des Karate-Teams, die auch als Sonderpädagogin Deutsch und Sport unterrichtet. Die Verknüpfung von Bewegung, Lesen, Gewaltprävention und Kreativität kommt bei den Kindern der Kooperationsschule sehr gut an. Die Kinder, die schon bei „Drachenstark“ mitmachen, haben deutlich mehr Interesse am Lesen und Lernen entwickelt, außerdem wächst die Eigeninitiative.
Durch „Drachenstark“ baut das Karate-Team Reutlingen ein regionales und überregionales Netzwerk auf. Mit Schulen, Kindergärten und Schulbehörden bestehen bereits Kooperationen. Universitäten und sonstige öffentliche Einrichtungen zeigen großes Interesse an der Maßnahme.

„Erst bewegen – dann lesen“ so lässt sich die Idee hinter „Drachenstark“ zusammenfassen.

2009: Polizeisportverein Saar

„Tanzen als Sport und Therapie für Menschen mit Behinderung“

Eingereicht bei der Volksbank Saar-West eG (heute: Volksbank Westliche Saar plus eG)

Tanzen verbindet und tut gut: Denn ganz nebenbei fördert dieser Sport die Kondition und hilft, Stress abzubauen. Aber Tanzen kann noch viel mehr: Wenn chronisch Kranke oder behinderte Menschen tanzen, finden sie seit längerer Zeit oder überhaupt zum ersten Mal einen Weg, ihre Gefühle auszudrücken und sich selbst zu verwirklichen.

Seit April 2008 bietet der Polizeisportverein Saar e.V. gezielt Tanzkurse für ältere Paare, chronisch Kranke und Behinderte an. Denn Tanzen kann jeder, egal in welchem Alter und mit welcher gesundheitlichen Einschränkung – meint der Verein, und die Erfahrung gibt ihm recht: Gleich beim ersten Tanzkurs dieser Art war die Nachfrage so groß, dass anschließend mehrere neue Gruppen eröffnet werden mussten. Die begeisterten Freizeittänzer nehmen zum Teil sehr weite Wege in Kauf, reisen sogar aus dem benachbarten Rheinland-Pfalz an, um dabei zu sein.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die Tatsache, dass jeder Tanzsporttrainer eine zusätzliche Lizenz im Reha- und Behindertensport vorweisen kann. Jeder weiß genau, wie er handeln muss, wenn ein medizinischer Notfall eintreten sollte. Auch ein Arzt könnte innerhalb von Minuten bei den Kursteilnehmern sein. Auf diese Kombination aus sportlichen und medizinischen Qualifikationen seiner Trainer ist der Polizeisportverein Saar e.V. stolz, auch weil er es geschafft hat, auf diese Weise den Tanzsportverband im Saarland für den Rehabilitations- und Behindertensport zu öffnen. Das macht den PSV im Saarland wie im Bundesgebiet einmalig.

Kein Wunder, dass dieses innovative Tanzprogramm bereits Qualitätssiegel im Bereich des Präventionsprogramms "Fit bis ins hohe Alter" und des Rehabilitationskonzepts "Haltung und Bewegung mit Musik" verliehen bekam. Zusätzlich initiierte der Verein in Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Landesverband für Tanzsport folgende Aktivitäten: Einen Tanzkurs für blinde und sehbehinderte Menschen, innerbetriebliche Tanzkurse als Rehamaßnahme für geistig und mehrfach behinderte Menschen und die sporttherapeutischen Stunden "Haltung und Bewegung mit Musik". „Musik hat einfach einen unglaublich hohen Motivationsfaktor“, sagt Kriminalkommissar Klaus Wehowsky, der Vorsitzende der Tanzsportabteilung des Vereins.

Er und seine Frau Karin, die Tanztrainerin ist, haben das Tanzangebot für chronisch Kranke und behinderte Teilnehmer beim PSV aufgebaut. „An einem unserer Tanzkurse nimmt eine autistische Frau teil. Sie hat es durch das Tanzen geschafft, zum ersten Mal seit Jahren den Kopf zu heben und anderen in die Augen zu schauen. Das war schon ein ganz besonderer Moment“, erzählt Wehowsky.

Neu im Programm des Vereins ist außerdem ein Kurs für gesundheitlich eingeschränkte Paare. Hier tanzen zum Beispiel Teilnehmer mit orthopädischen oder neurologischen Beschwerden, Stoffwechselstörungen oder auch Krebsnachsorge-Patienten. Chronisch kranke Menschen finden in dieser besonderen Tanzsportabteilung ein für sie passendes Angebot, genauso selbstverständlich wie Teilnehmer ohne gesundheitliche Einschränkungen, Begleitpersonen oder (Ehe)Partner.

2008: TV Altstadt

„In 80 Tagen um die Welt“

Eingereicht bei der Volksbank Saarpfalz eG (heute: Volks- und Raiffeisenbank Saarpfalz eG)

Das spektakuläre Fitness-Projekt des TV Altstadt 1920 e.V. „In 80 Tagen um die Welt“ ist im Frühjahr diesen Jahres gestartet. Jules Verne wäre wohl vor Neid erblasst. Denn anders als in seiner Romanvorlage umrundeten die Saarländer die Erde nicht nur einmal, sondern gleich zweieinhalb Mal. Zu Fuß, auf dem Rad oder auf Inlineskates sammelten die Sportler Bewegungs-Kilometer für eine virtuelle Erdumkreisung.

Eigentlich hatten die Altstadter, wie im Roman, 40.000 Kilometer angepeilt, am Ende waren es über 100.000. Die Begeisterung steckte den ganzen Ort an und versetzte alle in ein regelrechtes Bewegungsfieber: Läufer, Schwimmer, Boot- und Radfahrer – alle zogen an einem Strang und nutzten jede Chance, um das große Ziel zu erreichen. Auch Nicht-Mitglieder ließen sich anstecken. Die zurückgelegten Kilometer konnten online auf der Vereins-Homepage eingegeben oder auf einem Laufzettel in einen Projektbriefkasten geworfen werden. „Wir wurden von den Kilometerständen überrollt“, berichtet Stephanie Deutscher, erster Vorsitzende des TV Altstadt. Der Briefkasten quoll über und der Webmaster war der Verzweiflung nahe, weil er mit der Bearbeitung kaum hinterher kam.

Die Aktion stärkte das Zusammengehörigkeitsgefühl im Ort gewaltig. Der TV Altstadt setzte das Projekt aber auch ganz gezielt für die eigene Mitgliederwerbung ein: Die Presse wurde immer wieder zu einzelnen Aktionen eingeladen. Für die 80 Tage gab der Verein eine Schnupper-Mitgliedschaft aus. Viele der Mitglieder auf Zeit verlängerten, nachdem die Aktion vorbei war.

Als Vorstandsmitglied Kurt-Otto Baus auf die Idee kam, herrschte anfängliche Skepsis, ob das Vorhaben überhaupt zu bewerkstelligen sei. „Die Bedenkenträger ließen sich aber schnell überzeugen und waren bald Feuer und Flamme für das Projekt“, so Stephanie Deutscher. Schon bei der Auftaktveranstaltung am 3. April sammelten Wanderer und Radfahrer etwa 900 Kilometer. „Es war überwältigend, mit welchen Ideen sich unsere Mitglieder einbrachten“, berichtet Stephanie Deutscher. Kaum ein Fortbewegungsmittel, dass nicht herhalten musste: Drachenboot, Draisine, selbst auf dem Einrad oder im Handstand kamen Meter zusammen. Auch von schlechtem Wetter ließen sich die Altstadter nicht aufhalten, dann ging es in die Halle aufs Ergometer.

Jung und Alt machten mit. Die Altersspanne der Sportler betrug über 80 Jahre. Die Kleinsten machten eine Zwergenwanderung. Der älteste „Weltumrunder“ war 84 und gehörte zu den Boulespielern, die es sich nicht nehmen ließen, ihren Beitrag zu leisten. Sie drehten für das Projekt vor jedem Training eine Runde um den Sportplatz. Die Teilnehmer der virtuellen Erdumkreisung waren an ihren grünen Aktions-T-Shirts zu erkennen, die der Verein kostenlos zur Verfügung stellte. Bald trug ganz Altstadt grün und selbst heute, ein halbes Jahr nachdem das Projekt erfolgreich beendet wurde, wird das „Trikot“ der Aktion noch gerne getragen und taucht im Stadtbild immer wieder auf.

Viele neue Mitglieder stehen für die Nachhaltigkeit des Projekts. Ein neuer Lauftreff wurde gegründet, der immer noch Bestand hat. „Unser Verein ist noch enger zusammengewachsen“ fasst Stephanie Deutscher zusammen. Aber auch die Gemeinde profitierte vom Engagement. So konnten neu Hinzugezogene durch die Aktion schneller in die Altstadter Gemeinschaft integriert werden.

2007: Integrativer Treff Rostock

„Integrativer Treff“

Eingereicht bei der Rostocker Volks- und Raiffeisenbank eG

Der Integrative Treff oder „IT“, wie er in der Kurzform heißt, bietet für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Behinderungen ein vielseitiges Sport- und Freizeitprogramm. Die Palette reicht von Reha-Sport über Kanu-Touren, Theaterprogramme bis hin zu Spiel- und Sportangeboten für alle Altersgruppen.

Entstanden ist der Verein 1995 aus einer langjährigen Zusammenarbeit mit Schulen und Fördereinrichtungen für behinderte Kinder. „Wir haben die Sporthallen der Schulen genutzt und dort in Freistunden oder nach Schulschluss Sport und Spiele veranstaltet, um den Kindern eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu bieten“, sagt Monika Beu, Projektleiterin und Geschäftsführerin des IT. Dabei wurden von Anfang an behinderte und gesunde Kinder und Jugendliche gemeinsam betreut. „Wir wollen zusammenführen und integrieren.“ Ziel des Vereins ist es, Behinderten gleiche Chancen einzuräumen und ihre Lebensperspektiven in der Gesellschaft zu verbessern. „Dazu gehört es auch, dass Nichtbehinderte ihre Mitmenschen mit Behinderungen kennenlernen“, sagt Monika Beu. Gemeinsam spielen, Sport treiben und Spaß miteinander haben, trage dazu bei, den Blick füreinander zu öffnen.

Angefangen hat der Verein vor 12 Jahren mit rund 200 Mitgliedern, heute sind es 1.200. „Wir sind auf einem rasanten Wachstumskurs“, sagt Monika Beu und man hört, dass sie darauf stolz ist. Zu recht, schließlich stecken in dem Projekt viel ehrenamtliches Engagement, Kreativität und „Manpower“.

„Wir sind ein Team aus einem sehr engagierten Vorstand und insgesamt 35 Übungsleitern.“ Die lizenzierten Lehrer, Sozialpädagogen und Studenten betreuen wöchentlich rund 100 aktive Gruppen. Dazu gehören auch Programme zu Rehabilitation und Therapie nach Unfällen oder Krankheiten. Ein weiteres Standbein des Vereins ist sein Angebot für betreutes Wohnen. In speziell ausgestatteten Wohngemeinschaften wird körperlich und geistig behinderten Erwachsenen ein lebenswertes und selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft ermöglicht. „Viele kennen wir schon seit ihrer Kindheit über den Schulsport.“

Es ist diese Vielseitigkeit, die den Verein auszeichnet – und für die er jetzt auch ausgezeichnet wurde. „Für uns ist dieser Sieg eine ganz tolle Bestätigung für unsere Arbeit!. Wir haben noch so viele Ideen, die wir gerne umsetzen möchten“, sagt Monika Beu. Dazu zählt ein so genanntes Schwarzes Theater. Dabei spielen die Akteure in schwarzer Kleidung auf schwarzer Bühne; nur bestimmte Accessoires sind weiß und werden durch Neonlicht hervorgehoben. „Dadurch verlieren die Schauspieler die Angst vor dem Auftritt und lernen, sich kreativ und selbstbewusst zu präsentieren“, erklärt die gelernte Kindergärtnerin. Besonders für Jugendliche mit Behinderungen sei das eine wichtige und hilfreiche Erfahrung.

 

2006: Weddinger Wiesel

„Basketball Jugendclub TimeOut“

Eingereicht bei der Berliner Volksbank eG

Früher ist das Ladenlokal in Wedding eine der typischen verrauchten Berliner Eckkneipen gewesen. Im April 2006 wurde hier auf Initiative des Basketballvereins Weddinger Wiesel der Sport-Jugendclub „Time-out“ eröffnet. Die Weddinger Wiesel gibt es erst seit 1998, dennoch machte der Verein schon vielfach auf beeindruckende Weise auf sich aufmerksam.

Insgesamt 14 Basketballteams der Wiesel beteiligen sich am Spielbetrieb in Berlin, davon zwölf im Jugendbereich. So sind auch dreiviertel der ca. 320 Mitglieder unter 18 Jahren. Neben dem Wettkampfsport haben die Weddinger Wiesel viele Angebote für Breitensportler im Programm und das fängt schon im Kindesalter an. Die jüngsten Korbjäger sind gerade mal fünf Jahre alt, sie spielen in der so genannten Pampers-Gruppe. Zweidrittel der Mitglieder sind ausländischer Herkunft, sie kommen aus 15 verschiedenen Ländern. „Die unterschiedlichen Nationalitäten sind für uns kein Thema, uns verbindet das Basketballspielen“, darauf legt Karin Radtke, Sportreferentin des Vereins, Wert.

Eines der Erfolgsgeheimnisse des Clubs ist die Kultur des Mithelfens, so Radtke. Dabei geht der Verein äußerst systematisch vor. Bereits ab zwölf Jahren übernehmen Kinder zum Beispiel schon kleine Aufgaben als Kampfrichter im Spielbetrieb. Ab 14 Jahren können sie als Co-Trainer, ab 15 Jahren als Schiedsrichter Verantwortung übernehmen.

Mit der gelebten „Kultur des Mithelfens“ konnte auch der Wunsch nach einem eigenen Treffpunkt in die Tat umgesetzt werden. Schon lange äußerten vor allem die jugendlichen Wiesel den Wunsch, sich auch außerhalb des Trainings in einer eigenen Anlage zu treffen. Ein eigenes Vereinsheim hatten die Wiesel nicht. Alle waren sich einig, dass eine zentrale Anlaufstelle die Präsenz der Wiesel und damit der Sportart Basketball im Wedding erhöhen würde und somit auch die Eltern stärker in die Jugendarbeit des Vereins einbezogen werden könnten.

Zugute kam den Initiatoren vor einem Jahr, dass das Brunnenviertel im Wedding zu einem „Gebiet mit besonderem Entwicklungsbedarf“ erklärt wurde und damit EU-Fördermittel aus dem Programm „Soziale Stadt“ in Anspruch genommen werden konnten. Angebote für Jugendliche sind im Brunnenviertel schon lange Mangelware.

Um diese Fördermittel zu erhalten, mussten zunächst bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden: der Betrieb eines selbst verwalteten Jugendcafés, eine Informationsplattform für sportinteressierte Jugendliche und offene Sportangebote. Außerdem wurde bei der Renovierung Eigenleistung verlangt. Kein Problem für die Mitarbeit gewohnten Wiesel, welche die ehemalige Eckkneipe in wenigen Monaten in einen attraktiven Jugendclub verwandelten.

Mit den Fördergeldern, die es für 14 Monate gibt, wird auch eine Sozialarbeiterstelle für 20 Stunden pro Woche finanziert. Statt einen externen Sozialarbeiter einzustellen, decken die Wiesel-Coaches die Betreuung des Jugendclubs selbst ab. Neben vier wöchentlichen Öffnungstagen gibt es in den Sommerferien zudem ein Feriensportprogramm mit Unterstützung des Programms „Integration durch Sport“. Zu den Zielen des Jugendclubs zählt, in Zukunft beispielsweise eine Hausaufgabenbetreuung anzubieten und damit die Vereinbarkeit von Sport und Schule weiter zu erhöhen.

2005: TSV Hochdahl

„Offene Tür“

Eingereicht bei der Volksbank Remscheid-Solingen eG (heute: Volksbank im Bergischen Land eG)

Hochdahl ist ein Stadtteil von Erkrath in Nordrhein-Westfalen. Fast 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben hier einen Migrationshintergrund. Sie kommen aus der Türkei, aus Marokko, der Ukraine, den GUS-Staaten, aus Polen, Spanien, Italien und vielen weiteren Ländern. Viele von ihnen kommen regelmäßig zum TSV Hochdahl. Bereits seit 1988 hat der Verein die Trägerschaft für einen offenen Treffpunkt für Kinder und Jugendliche übernommen – mit dem Namen „Offene Tür“.

Sport als SprungbrettDas Angebot der „Offenen Tür“ reicht von Hausaufgabenbetreuung über geschlechtsspezifische Mädchen- und Frauenarbeit und sozialpädagogische Beratung bis hin zu einer Vielzahl von Sportkursen im Rahmen des Programms „Integration durch Sport“. Großen Anklang finden auch die Ferienfahrten, welche die Kinder regelmäßig zu nordrhein-westfälischen Kulturstätten führen.

„Es ist wichtig, dass man möglichst vieles versucht, um an die ausländischen Mitbürger heranzukommen. Dabei sollte das Ziel nicht primär die Mitgliedschaft im Verein sein“, erklärt Gabriela Klosa, die seit neun Jahren als Projektleiterin mit von der Partie ist. Sie kennt die Hemmschwellen von Migranten aus eigener Erfahrung. Mit 17 kam sie aus Polen nach Deutschland. Im TSV Hochdahl können alle, auch ohne Mitglied zu werden, an den offenen Sportangeboten teilnehmen. Zu diesen gehören zum Beispiel eine Breitensportgruppe für Jungen, eine Fitnessgruppe für Mädchen, eine Fußballgruppe und eine Billardliga.

Gute Erfahrungen hat Gabriela Klosa auch mit unterschiedlichen Kooperationen gemacht, wie etwa mit den Schulen oder dem Frauengesprächskreis. „Gerade der Zugang zu muslimischen Mädchen ist nach der vierten Klasse oftmals schwierig. Zu vielen bricht dann der Kontakt ab, da die Mädchen unzählige Pflichten im familiären Umfeld zu erfüllen haben. Wir sind daher froh, dass wir über die Schulen Sportkurse anbieten können“, verdeutlicht die Projektleiterin. Neben dem Programm „Integration durch Sport“ erhält der Verein auch von der Sportjugend Nordrhein-Westfalen wichtige finanzielle sowie inhaltliche Unterstützung bei diesen Maßnahmen.

Auch die jährlichen Aktionstage für Frauen und Mädchen werden gut angenommen. Dabei bietet der Verein einen ganzen Tag lang Schnupperkurse in den unterschiedlichsten Sportarten an. Männer müssen draußen bleiben, das senkt für die Frauen und Mädchen die Hemmschwelle sich auszuprobieren.

Im Idealfall schließen sich die Frauen danach einem Sportkurs oder sogar dem Verein an. Gabriela Klosa macht sich jedoch keine Illusionen, denn bis dahin ist es ein langer Weg: „Uns geht es darum, den Frauen überhaupt erst einmal die Freude am Sport nahe zu bringen.“

2004: Budo Club Mühlheim

„Judoka mit Behinderung“

Eingereicht bei der Vereinigte Volksbank Maingau eG

Als der hessische Budo-Club Mühlheim vor sieben Jahren angefangen hat, sein Judo-Angebot für Menschen mit Behinderungen zu erweitern, geschah dies vor allem auf Initiative von Thomas Hofmann. „Ich habe nach einem Sportangebot für meine geistig behinderte Tochter gesucht“, berichtet der Familienvater. Inzwischen trainieren fast 40 Mädchen und Jungen sowie Frauen und Männer mit geistigen und körperlichen Behinderungen im Budo-Club Mühlheim auf den Matten, gemeinsam mit den Nicht-Behinderten. „Am Anfang gab es natürlich auch kritische Stimmen, die vor den hohen Betreuungskosten warnten“, erinnert sich Thomas Hofmann, der für den Behindertensport im Verein verantwortlich ist. Aber diese Stimmen sind längst verstummt, denn die vielen kleinen und großen Erfolgsgeschichten sprechen für sich.

Nach dem moralischen Prinzip vom gegenseitigen Helfen und Verstehen, welches der Sportart zu Grunde liegt, werden die behinderten ebenso wie die nicht behinderten Judoka trainiert und gefördert. Dabei können die Sportlerinnen und Sportler ihre motorischen, kognitiven und koordinativen Fähigkeiten verbessern.

Zugleich unterstützen die auf einen engen Körperkontakt basierenden Bewegungen die Sozialisation, Integration und Kommunikation der Athleten. „Wir haben ein autistisches Mädchen, das überhaupt keinen Körperkontakt zuließ, als es zu uns kam. Durch den Sport ist dies nun möglich“, erzählt Thomas Hofmann. Das Training der Sportler bringt häufig viele kleine Fortschritte für den Alltag mit sich. Dabei geht es nicht immer um große Veränderungen, sondern zum Beispiel um das selbstständige Bus fahren oder auch nur das An- und Auskleiden. Dank der vielfältigen Lernerfolge können immer mehr behinderte Judoka in den allgemeinen Breitensportgruppen trainieren.

Die Integration der Behinderten endet im Budo-Club Mühlheim selbstverständlich nicht auf der Judomatte. Gemeinsame Sommerfeste, Vereinsausflüge und Museumsbesuche gehören zum Alltag des Vereins und fördern die Integration über den Sport hinaus. „Ein großer Erfolg sind auch gemeinsame Sportfeste und Wettkämpfe“, weiß Thomas Hoffmann zu berichten.

Der Budo-Club Mühlheim ist schon seit vielen Jahren Ausrichter des Internationalen Mühlrad-Pokals für jugendliche und erwachsene Judoka. Seit vier Jahren richtet der Verein zeitgleich das „Einladungsturnier der Behinderten“ aus. Dabei kämpfen die behinderten Judoka in der gleichen Halle wie alle anderen und leisten einen entscheidenden Beitrag zu der einzigartigen Atmosphäre des Turniers. Eine Vielzahl von Leistungsklassen sorgt bei den behinderten Sportlerinnen und Sportlern für homogene Gruppen und eröffnet allen die gleichen Erfolgschancen.

Eine wichtige Basis der Integration und Förderung der Sportlerinnen und Sportler mit Handicap ist die qualifizierte Betreuung im Budo-Club Mühlheim. Alle Trainerinnen und Trainer der behinderten Judoka haben eine Fachübungsleiterlizenz Rehabilitationssport. Fachliche Unterstützung bietet zudem ein Sportarzt, der in den Übungsstunden immer erreichbar ist.

Besonderen Wert legt der Verein auf einen individuellen und einfühlsamen Umgang mit den Sportlerinnen und Sportlern, betont Thomas Hofmann: „Bei uns muss niemand einfach nur funktionieren. Wenn ein Judoka einfach mal nur in den Arm genommen werden möchte, dann ist das an diesem Tag wichtiger als das Training.“

Diese Webseite nutzt Cookies

Wir verwenden auf unserer Webseite Cookies, um Inhalte zu personalisieren, die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren und somit unser Angebot zu verbessern. Wir erheben dabei nur pseudonyme Daten, eine Identifikation erfolgt nicht. Ferner geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Webseite an unsere Partner für Werbung und Analyse weiter.